Wenn ein Kind in der Gruppe zum "Problem" wird, dann gibt es viele verschiedene Bereiche, die an dem Problem beteiligt sein können (und beteiligt sein heißt hier nicht, schuld sein, sondern: eines von vielen Sandkörnchen sein, dass die Gruppe hindert, ideal zu laufen).

Und alle diese Beteiligten (und die Fragezeichen für alle Beteiligten, die wir nicht kennen, oder die uns gerade nicht einfallen) beeinflussen, was in der Gruppe gerade passiert. Dabei beeinflussen sich die Gefühle, das Verhalten und das Verstehen (kurz: Herz, Hand und Verstand).

Wenn Du jetzt mal kurz nachdenkst, fallen Dir sicher Beispiele ein, wo Du (oder das "Problemkind", oder die Gruppe, oder...) mit Gefühlen, mit Verstehen oder mit Verhalten eine Situation beeinflusst habt. Alles etwas chaotisch, wie sich das so gegenseitig beeinflusst...

Es gibt viele Möglichkeiten, diese Zusammenhänge zu verstehen und damit umzugehen. Einen lösungsorientierten Weg möchten wir hier vorstellen.

 

Als Gruppenleiter/in liegen drei der beteiligten Bereiche in Deiner Reichweite, und auf die solltest Du Dein Augenmerk richten: die Gruppe, das Kind und Du selbst.

für das Kind: Was erreicht das Kind durch sein Verhalten? Wie kann es das auch anders bekommen? Welches Gefühl drückt das Kind aus? Wie kann es das Gefühl so ausdrücken, das es erlaubt/möglich ist? Kannst Du solche Gelegenheiten bieten?

 

für die Gruppe: Wie kann die Gruppe sich regelmäßig Austoben (Aggressionen loswerden) und auch zur Ruhe finden (sich entspannen)? Was für Wege gibt es, damit alle regelmäßig Beachtung und Anerkennung finden? Hat die Gruppe gemeinsame Regeln, z.B. zum Umgang mit Schimpfwörtern? Falls nicht, könnt Ihr Regeln zusammen mit der Gruppe erarbeiten. Dazu gibt es z.B. auch Anregungen im "Baukasten" zum Einstieg in die JRK-Kampagne "Bleib' cool ohne Gewalt".

 

für die GLs: Was erwartest Du von dem Problemkind? Welche ersten kleinen Veränderungen würden schon helfen? Was passiert genau, dass Dir der Kragen platzt? Könntest Du die Situation kurz vor diesem Moment stoppen? Und vielleicht etwas anderes als sonst tun (überlege schon mal vorher, was das sein könnte)?

 

Das sind jetzt viele Fragen, die Du als Gruppenleitung klären musst. Vielleicht ist es hilfreich, sich dabei mit anderen (GLs, Freunden, den Eltern des Problemkinds?) zusammenzusetzen.

 

Leider gibt es keine Patentrezepte, wie man mit Problemkindern zurechtkommt. Ein paar Grundsätze gibt es aber doch:

 

1) Es ist immer besser, hilfreiches und "gutes" Verhalten zu fördern, als sich auf das Ausmerzen von unerwünschtem Verhalten zu konzentrieren (wenn ein Problemkind also mal gut mitgemacht hat, dann lobe es auch und mache klar, dass Du Dich darüber freust, wenn es das immer so macht! Sprecht Euch be mehreren GLs vorher ab, wer an das Loben denkt!) Denke auch daran, dass Du mit Deinem Verhalten in schwierigen Situationen Vorbild für die anderen Kinder in der Gruppe seid – so wie Ihr Euch dem "Problemkind" gegenüber verhaltet, tun das schnell auch die anderen Gruppenmitglieder.

 

2) Gruppenregeln, die die Gruppe gemeinsam entwickelt hat, können alle leichter akzeptieren.

 

3) In jeder Gruppenstunde sollte es Programm für Herz (Fühlen), Hand (Ausprobieren und Erleben) und Verstand (Erkennen und Verstehen) geben!

 

4) Behalte auch sonst Herz, Hand und Verstand im Blick!

 

5) Ein festes Rahmenprogramm mit Begrüßung, Austoben, Abschiedsritual etc. gibt der Gruppe Sicherheit und Problemkindern Orientierung.

 

6) In der Gruppe kannst Du nicht alles leisten – Ihr seid Gruppenleiter und nicht Therapeuten für schwierige Kinder. Ihr könnt schwierige Kinder mittragen, aber letztendlich deren Situation nicht oder kaum verbessern, weil Ihr auf deren Lebensumstände (Schule, Eltern, ...) wenig Einfluss habt. Wenn es Aussicht auf Erfolg verspricht, könnt Ihr die Eltern auf Hilfsangebote aufmerksam machen, z.B. Beratungsstellen für Eltern, Kinder und Jugendliche, oder mal einen Info-Abend mit jemandem von der Beratungsstelle für alle Eltern anbieten.

 

Beratungsstellen für Kinder, Jugendliche und Eltern in Eurer Nähe findet Ihr unter:

Landesarbeitsgemeinschaft für Erziehungsberatung Baden-Württemberg e.V.