< Weniger Nachhilfe für arme Kinder
26.08.2005 11:40 Alter: 12 yrs
Kategorie: Kampagne

Kinder und Hartz IV


Es ist immer schon schwierig gewesen, Armut zu messen, weil es unterschiedliche Methoden und Definitionen dazu gibt. Daher lässt sich auch trefflich darüber streiten, ob es wirklich viel mehr arme Kinder und Jugendliche nach den Hartz-Reformen gibt.

Damit du auch mitreden kannst, hier einige Fakten zu einer aktuellen Diskussion, die mit der Veröffentlichung einer Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes zusammen hängt:

Bis 2004 lebten knapp eine Million Kinder von der Sozialhilfe. Heute leben etwa 1,5 Millionen Kinder unter 15 Jahren auf Sozialhilfeniveau. Das bedeutet, dass diese Kinder auf Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld angewiesen sind. Es gibt keine offiziellen Zahlen, wie viele unter 18jährige betroffen sind. Der Paritätische Wohlfahrtsverband schätzt die Zahl auf über zwei Millionen. Insgesamt also ein drastischer Anstieg seit Januar 2005.

Die Bundesagentur für Arbeit argumentiert, dass früher statistisch nur die Sozialhilfezahlen bekannt waren, nicht aber, wie viele Kinder in Familien lebten, die Arbeitslosenhilfe erhielten. Daher sei der Anstieg übertrieben dargestellt.

Tatsache ist, dass die Bundesagentur keine Schätzungen oder Berechnungen hierzu vorlegt. Zudem erhielten früher arbeitslose Menschen längere Zeit ein höheres Arbeitslosengeld und später i.d.R. auch höhere Arbeitslosenhilfe. Daher ist auf jeden Fall von einem Anstieg der armen Kinder und Jugendlichen auszugehen.

 

Ein weiterer schwerwiegender Nachteil von Hartz IV ist, dass Einmalzahlungen z.B. für Einschulung, Winterkleidung oder Klassenfahrten wegfallen. Das bedeutet, dass für Kinder unter 14 Jahren jeden Monat 207 Euro zur Verfügung stehen. Das muss dann auch für alles reichen: Ernährung, Kleidung, Taschengeld, Spielsachen, Freizeit und Schulbedarf. Nach Berechnungen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes benötigt man allein für die Einschulung 180 Euro (Schulranzen, Schultüte, Turnbeutel, Turnkleidung, Federmäppchen, Schreibhefte). Damit bleiben noch 27 Euro für den restlichen Monat übrig ...

 

Es gibt außerdem große Unterschiede in den verschiedenen Regionen Deutschlands: In Westdeutschland leben 12,4 Prozent der Kinder in Armut, in Ostdeutschland 23,7 Prozent, also jedes vierte Kind! In Bayern leben 6,6 Prozent arme Kinder, in Berlin sind fast 30 Prozent der Kinder arm.

Dennoch gibt es auch bayrische Regionen wie Hof, Schweinfurt oder Nürnberg mit Quoten bis 20 Prozent. In ostdeutschen Städte wie Görlitz, Halle oder Schwerin müssen über 30 Prozent und sogar 35 Prozent der Kinder auf Sozialhilfeniveau leben.


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