Aus der Stuttgarter Zeitung, Region Esslingen vom 10.5.05
ESSLINGEN. Die Käthe-Kollwitz-Schule in Esslingen ist als erste von drei Pilotschulen im Land mit einem Schulungsgerät zur Herz-Lungen-Wiederbelebung ausgerüstet worden. Den Übungsdefibrillator bedient der als vorbildlich geltende Schulsanitätsdienst.
Von Wolfgang Berger
Bei einem Herzstillstand sind die ersten Minuten entscheidend. Wenn die Erstversorgung durch Laien funktioniert, dann steigert dies die Überlebenschancen der Betroffenen erheblich. Acht von zehn Menschen könnten ein Herzversagen überleben, wenn ihnen innerhalb von drei bis fünf Minuten geholfen würde. Jährlich sterben rund 130 000 Menschen am plötzlichen Herztod. Neben der Beatmung und der Herzmassage kommt vor allem der Defibrillation eine entscheidende Rolle zu. Sie ist die einzig wirksame Behandlung bei einem Kammerflimmern. Aus diesem Grund setzt sich die Björn Steiger Stiftung seit langem für die breit angelegte Ausbildung der Bevölkerung mit Frühdefibrillation ein. Seit gestern können die Schulsanitäter an der Käthe-Kollwitz-Schule an einem Übungsgerät die Wiederbelebung testen.
Wie das Gerät funktioniert, demonstrierte an diesem Montag Jörn Fries anhand einer Wiederbelebungspuppe, die ebenfalls an der Schule bleibt. „Man kann nichts falsch machen“, sagt der Geschäftsführer der Björn Steiger Stiftung. Eine Stimme aus dem handlichen Kasten erklärt Schritt für Schritt, vom Anlegen der Elektroden auf dem Brustkorb bis hin zum Auslösen des Elektroschocks. „Das Gerät führt uns durch die gesamte Reanimation bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes“, erklärt Fries.
Dass die Profis vor oder während der lebensrettenden Maßnahmen wie Herzmassage und Beatmung alarmiert werden sollten, wissen die 15 Schülerinnen und Schüler der Sanitätsgruppe aus dem Effeff. Die Leiterin des Sanitätsdiensts, Annette Kull, hat soeben den Notruf abgesetzt. Die einzelnen Glieder der Lebensrettungskette übt die Lehrerin und ausgebildete Rettungssanitäterin mit der Gruppe wöchentlich. Seit fünf Jahren leitet sie den gemeinsamen Sanitätsdienst der Käthe-Kollwitz- und der Friedrich-Ebert- Schule und kann auf eine „unheimlich aktive“ Mannschaft setzen. Die Sanitäter haben etwa den Erste-Hilfe-Raum selbst gestaltet und machen ihren eigenen Dienstplan. Weiter übernimmt der Schulsanitätsdienst auch die Blutspendeaktionen im Landratsamt.
Seit 2001 dabei ist Michaela Krogner. Sie hat die Schule zwar verlassen, hängt aber immer noch an ihr. Dass sie beim Sanitätsdienst mitmacht, ist nicht verwunderlich. „Ich bin praktisch im Roten Kreuz aufgewachsen“, sagt die 20-Jährige. Ebenfalls vom Fach ist Alexander Krauß, der als Rettungsassistent bereits hauptamtlich bei einem Rettungsdienst Erfahrung gesammelt hat. „Ruhe bewahren und feststellen, wo das Problem liegt“, das ist laut Michaela Krogner entscheidend, etwa wenn „Psychoanfälle“ oder Kreislaufprobleme auftreten. Wenngleich die meisten Fälle nicht so dramatisch sind – auch an einer Schule kann es zu lebensgefährlichen Zwischenfällen kommen. Vor drei Jahren musste eine 18-Jährige reanimiert werden.
Die Sanitätsgruppe war schnell zur Stelle, die junge Frau konnte gerettet werden. Für den Leiter der beruflichen Schule, Thomas Fischle, ist der für sein Engagement bereits mehrfach mit dem Sozialpreis der Schule ausgezeichnete Schulsanitätsdienst ein Beispiel dafür, dass in den Medien über Jugendliche zu negativ berichtet werde. „Sie sind engagiert, sie sind klasse“, sagt Fischle über seine Schüler. Annette Kull, die sich von der Schulleitung gut unterstützt fühlt, wünscht sich als Nächstes einen richtigen Defibrillator, der nicht nur zu Übungszwecken, sondern auch im Ernstfall eingesetzt werden kann.